Der schlanke japanische Staat: Vorbild oder Schreckbild? by Gesine Foljanty-Jost (auth.), Gesine Foljanty-Jost,

By Gesine Foljanty-Jost (auth.), Gesine Foljanty-Jost, Anna-Maria Thränhardt (eds.)

In einer section, in der der Staat bei uns zwischen einer Aufgabenflut und re­ striktiven Finanzen gefangen zu sein scheint, und seine desolate Finanzlage für Teile der Bevölkerung zunehmend schmerzhaft spürbar wird, sind Wege gefragt, die dem Staat seine Handlungsfähigkeit zumindest teilweise zurück­ geben, ohne ihn finanziell zu überfordern. In dem vorliegenden Band wird mit Japan ein Land vorgestellt, das durch zweierlei auffällt: der Staat gibt im Industrieländervergleich im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung wenig aus, und seine Leistungsfähigkeit scheint nicht darunter zu leiden. Wir haben diese Kombination in Anlehnung an das lean production-Konzept als das Phänomen des "schlanken Staates" bezeichnet. Berücksichtigt guy die- wie wir meinen gerechtfertigte - Kritik an dem Be­ griff "schlanke Produktion" als Schönfärberei, ist die Anlehnung der Formu­ lierung "schlanker Staat" vermutlich ebenfalls eher unglücklich und für die Nominierung zum "Unwort des Jahres" geeignet. Die Problematik gilt auch hier: mit "schlank" gehen confident Assoziationen einher, die kaum verifiziert sind. used to be heißt "schlank"? Sind es die knappen Finanzen, sind es die redu­ zierten Aufgaben? Und vor allem: wie sieht es mit den Ergebnissen aus? Sind sie wirklich so hervorragend? Angesichts dieser offenen Fragen und einer gehörigen Skepsis an den Er­ folgen von Staatshandeln in Japan haben Kollegen als replacement "der ma­ gere japanische Staat" oder auch "der Sparstaat" vorgeschlagen.

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S. 360-365. 2. Die Bedeutung von "Informationen" für die Industrialisierung Für die pragmatische Suche nach Regeln und für die Entwicklung von Handlungsweisen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, war allerdings ein weiteres Element unabdingbar: die Information. Um nämlich Regeln und "Wege" zur Erlangung eines vorgegebenen Zieles entwickeln zu können, müssen alle nur erdenklichen und erreichbaren Informationen gesammelt werden, da aufgrund des regelorientierten Denkmusters keine Möglichkeit besteht, aus einem Prinzip einen einzigen "richtigen" Weg abzuleiten.

Letztlich handelt es sich dabei um den Versuch, den Staat auf seine Rolle bei der Vorgabe von Zielformulierungen und die Bereitstellung von Informationen zurückzudrängen und die "Schlankheit" des Staates wiederherzustellen. 6. Motivation und Partizipation In Japan gelingt es seit der Meiji-Zeit, die Bevölkerung bzw. die Unternehmer auf die vom Staat vorgegebenen Ziele sozusagen "einzuschwören". Dieser Umstand trägt ebenfalls wesentlich zur "Schlankheit" des japanischen Staates bei. Die Mechanismen sind häufig beschrieben worden.

Das Angebot an neuem Schrifttum oder neuen Geräten allein genügte allerdings auch noch nicht. Hier schuf der Staat eine Organisation, über die die Informationen an die Bauern herangebracht werden konnten. Ein Netzwerk von "landwirtschaftlichen Vereinigungen" (nokai) wurde ins Leben gerufen. In jedem Weiler wurden solche nokai eingerichtet und, meist durch interessierte, fortschrittliche Großgrundbesitzer, geleitet. Diese dörflichen Vereinigungen schloß man auf Kreisebene zusammen, die Kreisvereinigungen in Präfekturvereinigungen, und schuf Verbindungen hinauf bis in das zuständige Ministerium.

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